firefly

Bewusst gemeinsame Momente erleben

firefly ist eine interaktive Leuchte für Paare, die im Alltag bewusster Zeit miteinander verbringen möchten.

Smartphones sind im Alltag ständig präsent. Sie verbinden uns mit anderen, machen Informationen jederzeit verfügbar und begleiten fast jede Situation. Gleichzeitig entsteht dadurch das Gefühl, immer erreichbar sein zu müssen. Nachrichten, E-Mails oder soziale Medien unterbrechen nicht nur einzelne Handlungen, sondern auch gemeinsame Momente mit anderen Menschen.

Besonders in Beziehungen kann diese ständige Verfügbarkeit zum Problem werden. Obwohl Paare Zeit miteinander verbringen, ist die Aufmerksamkeit oft geteilt. Schon ein kurzer Griff zum Smartphone kann den gemeinsamen Moment unterbrechen und das Gefühl von Nähe, Wertschätzung und Präsenz schwächen.

Konzept

firefly setzt genau an diesem Punkt an. Das Projekt ist eine interaktive Leuchte, die Paare dabei unterstützt, bewusste smartphonefreie Zeit miteinander zu verbringen. Statt eine weitere App zu nutzen, wird die Interaktion in ein physisches Objekt verlagert, das sich unaufdringlich in den Wohnraum integriert.


Die Leuchte begleitet gemeinsame Momente durch Licht, Bewegung und Berührung. Sie macht sichtbar, wenn die gemeinsame Zeit durch das Smartphone unterbrochen wird, und bietet gleichzeitig die Möglichkeit, besondere Momente als persönliche Lichtpunkte festzuhalten.

Ziel

Ziel von firefly ist es nicht, Smartphone-Nutzung zu verbieten. Vielmehr soll das eigene Verhalten bewusst gemacht werden. Paare werden dazu angeregt, gemeinsame Zeit aktiver zu gestalten, präsenter zu sein und besondere Augenblicke als etwas Wertvolles wahrzunehmen.

Interaktion

Die Nutzung von firefly ist als bewusster Ablauf gestaltet. Jeder Zustand beschreibt einen bestimmten Abschnitt der Interaktion – vom ruhigen Begleiter im Alltag über den gemeinsamen Start bis hin zum Festhalten einer Erinnerung.

Passiver Zustand

Im Alltag befindet sich firefly im passiven Zustand. Die Leuchte begleitet den Raum ruhig im Hintergrund. Bewegende Lichtpunkte erinnern subtil an bereits gemeinsam verbrachte Momente und regen dazu an, wieder bewusst Zeit miteinander zu schaffen.

Ein gemeinsamer Moment beginnt durch eine gemeinsame Geste. Beide Personen berühren gleichzeitig das Display der Leuchte und aktivieren firefly zusammen. Dadurch wird der Start der gemeinsamen Zeit zu einer bewussten Entscheidung.

Während der gemeinsamen Zeit begleitet firefly die Situation mit ruhigen Lichtbewegungen. Die Leuchte tritt in den Hintergrund und schafft eine angenehme Atmosphäre, ohne die Interaktion zwischen den Partner zu stören.

Wird während der aktiven Zeit ein Smartphone genutzt, verändert sich die Lichtstimmung. Das Licht wird kälter und unruhiger. Dadurch macht firefly sichtbar, dass der gemeinsame Moment unterbrochen wird, ohne die Nutzenden direkt zu bestrafen.

Wird das Smartphone weiterhin genutzt, friert der Moment visuell ein. Die Lichtpunkte verlieren Wärme, Bewegung und Lebendigkeit. Dieser Zustand zeigt, wie Ablenkung die gemeinsame Präsenz schwächt.

Legen die Nutzenden das Smartphone wieder beiseite, kann der gemeinsame Moment erneut aktiviert werden. Durch eine gemeinsame Berührung kehrt firefly in den aktiven Zustand zurück. Die Lichtpunkte werden wieder wärmer und lebendiger.

Die gemeinsame Zeit wird ebenfalls durch eine gemeinsame Geste beendet. Dadurch bekommt der Moment einen klaren Rahmen: Er wird bewusst begonnen und bewusst abgeschlossen.

Nach dem Abschluss können die Partner den Moment mit einem Wort oder einer kleinen Zeichnung festhalten. Daraus entsteht ein persönlicher Lichtpunkt, der in die Leuchte wandert und Teil der gemeinsamen Sammlung wird.

Gespeicherte Lichtpunkte können später wieder aufgerufen werden. Durch Berührung erscheint der jeweilige Moment auf dem Display. So wird firefly zu einem Erinnerungsobjekt, das gemeinsame Zeit sichtbar bewahrt.

Gestaltung

firefly nutzt Licht als zentrales Gestaltungsmittel, weil es Atmosphäre schafft und emotionale Zustände subtil vermitteln kann. Die Lichtpunkte sind von Glühwürmchen inspiriert und stehen für gemeinsam erlebte Momente. Dadurch wirkt die Leuchte lebendig, ruhig und persönlich. Das Produkt wurde bewusst als physisches Objekt gestaltet.

So muss das Smartphone nicht erneut in die Interaktion eingebunden werden. firefly fügt sich als Leuchte in den Wohnraum ein und begleitet gemeinsame Zeit, ohne aufdringlich zu wirken. firefly kommt bewusst ohne App und ohne Internetverbindung aus. Alle Daten – auch die Position des Smartphones – werden ausschließlich lokal verarbeitet.

Die Leuchte ist auf einen Hohlzylinder aufgebaut, der Elektronik, Kühlung und Verkabelung im Inneren verbirgt. Ein rundes Touchdisplay an der Oberseite dient als direkte Interaktionsfläche. Eine induktive Ladestation mit magnetischer Verbindung erlaubt es, die Leuchte abzunehmen und mitzunehmen.

Technik

Die Erkennung von Unterbrechungen basiert auf Bluetooth Direction Finding: Die Leuchte bestimmt die Position des Smartphones bis in den Zentimeterbereich. Bewegt sich das Smartphone, wird das als Unterbrechung erkannt.

Um das Konzept erlebbar zu machen, wurde ein funktionaler Prototyp entwickelt. Er übersetzt die wichtigsten Zustände von firefly in Licht, Bewegung und Interaktion. Der Prototyp zeigt, wie Smartphone-Unterbrechungen erkannt und durch veränderte Lichtstimmungen sichtbar gemacht werden können.

Prototyp

Die Umsetzung basiert auf einer LED-Matrix, einem Touchdisplay und einem Raspberry Pi. Über die Interaktion mit dem Display und die Erfassung von Smartphone-Bewegungen werden die unterschiedlichen Zustände gesteuert.


Da der finale Bluetooth-Mechanismus für eine Demo zu aufwändig gewesen wäre, wurde die Bewegungserkennung im Prototyp über Gyroskop und Beschleunigungssensor des Smartphones umgesetzt.

Produktvideo

Musik von Ketsa - Fluid

Retrospektive

Aus zeitlichen Gründen konnten noch keine Usability-Tests mit echten Paaren durchgeführt werden – das Konzept basiert auf Forschung und Experteneinschätzungen. Eine Weiterentwicklung wäre die Erweiterung auf andere Geräte wie Laptops oder Tablets sowie auf andere Nutzungskontexte über Paare hinaus.

Zeitpunkt
8. Semester, Sommer 2023
Team
Isabel PfalzgrafVictoria Bremer
Rolle / Verantwortung
IdeenfindungKonzeptDesignFormspracheModelltechnischer Prototyp