
besides
Fernbeziehung im gleichen Raum
besides ist ein interaktives Raumkonzept für Paare in Fernbeziehungen. Das Projekt beschäftigt sich mit der Frage, wie Nähe entstehen kann, wenn zwei Menschen nicht am selben Ort leben.
In einer gemeinsamen Wohnung nimmt man die andere Person oft ganz nebenbei wahr: Man hört Schritte im Flur, sieht jemanden auf dem Sofa sitzen oder merkt, dass die andere Person gerade unruhig zwischen Küche und Schreibtisch hin- und herläuft. Diese beiläufige Wahrnehmung geht in Fernbeziehungen fast vollständig verloren. Nähe entsteht dann meist nur noch durch aktive Kommunikation: schreiben, telefonieren, videocallen.
besides setzt genau an diesem Punkt an. Das System macht die Anwesenheit des Partners oder der Partnerin wieder in der eigenen Wohnung spürbar – nicht als Avatar, nicht als Video, sondern als abstrakte, lebendige Repräsentation im Raum.

Konzept
besides verbindet zwei Wohnungen miteinander. Die Position, Aktivität und Verweildauer einer Person werden in ihrer Wohnung erfasst und in die Wohnung der anderen Person übersetzt. Dort erscheint die Bewegung als organische Lichtprojektion aus Partikeln, die sich durch den Raum bewegt. Die Repräsentation zeigt nicht die Person selbst, sondern ihr Verhalten.
Ist jemand lange an einem Ort, entsteht dort ein sichtbares Artefakt. Bewegt sich die Person viel, wird auch die Projektion unruhiger. So entsteht ein Gefühl von Präsenz, ohne dass dauerhaft aktiv kommuniziert werden muss. Die Idee dahinter: besides soll keine körperliche Nähe ersetzen. Stattdessen macht es etwas sichtbar, das in Fernbeziehungen oft unsichtbar wird – das beiläufige Mitbekommen des Alltags.






Interaktion
Als Interface wurden Hausschuhe konzipiert. Sie funktionieren als natürlicher Teil des Zuhauses: Wenn sie getragen werden, ist das System aktiv. Wenn sie ausgezogen werden, zieht sich die eigene Repräsentation aus der Wohnung des Partners oder der Partnerin zurück.
Diese Entscheidung war wichtig, weil besides nicht wie ein weiteres Gerät wirken soll, das man bewusst einschaltet und bedient. Es soll im Hintergrund funktionieren und sich so selbstverständlich in den Alltag einfügen wie das Nachhausekommen selbst.

Umsetzung
Für den Prototypen haben wir uns auf die visuelle Übersetzung zwischen zwei Wohnungen konzentriert. Über ein lokales System wurden zwei unterschiedliche Wohnungsgrundrisse simuliert: eine Eingabe-Wohnung und eine Ausgabe-Wohnung.

In der Eingabe-Wohnung wurde eine Figur auf verschiedene Wohnbereiche gesetzt, zum Beispiel Sofa, Bett, Küche oder Haustür. Diese Position wurde an die Ausgabe-Wohnung übertragen und dort als Partikelsystem visualisiert. Die Herausforderung bestand darin, unterschiedliche Grundrisse so zu übersetzen, dass die Bewegung der Person trotzdem verständlich bleibt.
Der Prototyp zeigte, dass sich Position, Aktivität und Verweildauer in eine abstrakte, aber lesbare Repräsentation übersetzen lassen. Dadurch entsteht nicht einfach eine technische Anzeige, sondern ein räumliches Gefühl von „die andere Person ist gerade da“.

Besides Prototyp, 2 Wohnungs-Grundrisse synchronisiert und gemapped.
Renderings
Produktvideo
Musik: overdrive - corbyn kites
- Zeitpunkt
- 5. Semester, Sommer 2022
- Team
- Ann-Kathrin TissenVictoria BremerLynn Dunkel
- Rolle / Verantwortung
- KonzeptDesign / Formsprachetechnischer Prototyp




